Ich hasse es: auf dem Weg nach Oslo gibt es nie Empfang. Ich kann nicht zuhaus anrufen und ich kann nicht an meine Mails ran. Letzteres wäre nicht so schlimm, aber welche Möglichkeiten bleiben mir denn noch zur Kontakterhaltung, wenn das Telefon schon wegfällt?
Heut war ich zwar erst zuhaus aber wahrscheinlich ist grade deswegen die Sehnsucht grad so groß.
Morgen den ganzen Tag kein Wort hören oder lesen von daheim und selbst kein Mucks sagen können. Das ist echt fies. Wo ich doch morgen so viel Zeit hab: Ich fang erst 11:00 an zu arbeiten – AUSSCHLAFEN Dann hab ich um 13:00 schonwieder vorläufig Feierabend. 16:00 mach ich dann den Shop wieder auf und…. na gut, da steh ich dann auch bis 22:00 und dann geh ich zu Gangway. Aber danach?! Ob ich danach noch zuhaus anrufen darf? Das kann ich wohl auch erst morgen Abend erfragen
Wir legen noch 4 Mal in deutschen Häfen an. Einmal davon an einem Montag in Kiel. Das letzte Mal. Das letzte Mal, dass ich einen Tag wie heute erleben darf. (Ich hoffe, ich darf!)
Heute war auf jeden Fall ein guter Tag: Nach Haus fahren, als wäre es das Normalste. Zu Haus sein, als wäre man nie woanders.
Nunja, wie gesagt – nur noch ein Mal. Dann geht’s ab in den Süden. Sicher freue ich mich darauf hinunter zu fahren. Ich sehe auf dem Weg dorthin viele schöne Städte – bekannte sowie unbekannte.
Ich freue mich auf die alten Gesichter und neuen Bekannten. Aber… es gibt dort keine Montage. In den letzten 3 Jahren habe ich Montage gehasst. Das waren die bösen Tage an denen ich mich um halb 5 aus dem gemeinsamen Bett quälen musste um pünktlich um 9 in Stendal im Laden zu stehen und am Abend wieder allein auf einer Couch zu liegen. Es waren die Tage an denen ich gezwungen war mein Zuhause zu verlassen. Jetzt sind Montage, Tage voller Hoffnung, Liebe und Zuversicht. Voller Motivation, Hingabe und (Un-)Vernunft. Es sind Tage, die mir den Mut rauben und gleichzeitig neuen geben. Es sind Tage, an denen mir gezeigt wird, dass meine Hoffnungen nicht vergebens aber auch nicht unendlich sind. Es sind Tage, die ich festhalten möchte. Nicht mit einem Foto, nicht mit einem Video…. Eher so… wie wenn man an einem Wintertag durch den Schnee stapft und die ersten wärmenden Sonnenstrahlen auf den kalten Wangen spürt. Man möchte die Sonnenstrahlen festhalten. Man möchte, dass sie bleiben und auch den Rest des Körpers wärmen, nicht nur die rosigen Wangen. Man möchte in den Sonnenstrahlen baden. Man schließt die Augen und hält das Gesicht der Sonne entgegen. Man atmet tief ein und die frische, vom Schnee gesäuberte Luft durchströmt unaufhaltsam den ganzen Körper. Und auf einmal, in diesem winzigen Augenblick, bekommt das Leben seinen Sinn.
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